♦Gebet

♦Meditationen und Gedanken über:

Die Muttergottes und der Heilige Rosenkranz

 

♦Die Geschichte, wie der heilige Dominikus den Rosenkranz von der Muttergottes  erhielt

 

♦Der heilige Rosenkranz ist der Kirche geoffenbart

„Du bist als Frau so groß und giltst so viel

daß, wer nach Gnade dürstend dich nicht anruft,

umsonst zu fliegen suchte, ohne Flügel.“

(Dante, Die göttliche Komödie, XXXIII, 13 – 15)

 

Im Anfang des 13. Jahrhunderts waren die religiöse und politische Verhältnisse in nördlichem Italien, Spanien und südlichen Frankreich überaus dekadent. Eine neue Sekte von Häretikern blühte in Languedoc (eine große Provinz im Süden Frankreichs), bekannte als Albigenser oder Katharer. Der fromme und kluge Papst Innozenz III. schickte Bischöfe, Prälaten und Priester nach Südfrankreich, um die zerstreute Herde der Gläubigen zu sammeln und zu suchen, was verloren war. Unter diesen Missionaren war der hl. Dominikus aus Spanien. Er war ein Förderer und Verbreiter des Rosenkranzgebetes, deswegen ist ihm der allergrößten Wahrscheinlichkeit nach die Einführung des Rosenkranzgebetes zu Ehren der Allerseligsten Jungfrau Maria zuzuschreiben.

 

Er war ein Mensch des intensiven Gebetes; täglich während der Nacht kniete er vor dem Bilde Mariens und flehte mit Bitten, mit Tränen, mit strengen Bußen ihre Mutterliebe um Erbarmen gegen das verirrte Volk an. Nach einer Legende und Tradition der Kirche im Jahr 1208 erschien ihm die Muttergottes, während des Gebets in der Kirche „Notre Dame de Prouille“ und tröstete ihn liebreich und sprach: „Dein Werk wird gelingen, halte nur die Leute mehr zum Beten an und erkläre ihnen die Glaubenslehre in recht einfacher, leicht verständlicher Sprache“; sie lehrte ihm angeblich den Psalter oder den großen Rosenkranz in 15 Gesetzlein mit 15 Betrachtungen über das Leben, Leiden und die Verherrlichung Jesu und seiner Mutter, ihm zu sagen, diese Waffe zu verwenden, um die Albigenser zu besiegen. Dank dieses Gebetes finden nach wie vor viele Sünder zum katholischen Glauben und rezitieren es, um Fürsprache zu erbitten und Gnade zu empfangen. Selbst die betrogenen Irrgläubigen (sog. Albigenser oder Katharer) verließen zum größten Teile das Irrtum und kehrten in den Schoß der katholischen Kirche zurück.

 

Ihre weltliche Macht wurde im Jahre 1213 in der blutigen Schlacht bei Muret (Garonne) durch den tapferen Grafen Simon IV von Montfort vernichtet. Unmittelbar nach dieser Schlacht errichteten die Bewohner von Muret in ihrer dem hl. Jakobus geweihten Kirche eine Kapelle und zierten dieselbe mit einem Muttergottesbild. Darauf erblickte man zur Linken der Muttergottes den Bischof Fulco von Toulouse und Simon von Montfort, während zu ihrer Rechten der hl. Dominikus kniet, der in seiner rechten Hand ein von Pfeilen durchbohrtes Kruzifix hält und mit der Linken den von Maria dargereichten Rosenkranz empfängt.

 

Dies ist der Ursprung des hl. Rosenkranzes, den wir heute noch unverändert besitzen und beten. Er stammt vom Himmel, er ist ein Geschenk unserer Mutter Maria; er ist beglaubigt durch seine übernatürliche Kraft, Wunden zu heilen, Trost zu verbreiten, mit Freude zu beglücken. Darum in jeder Mariens Erscheinung empfiehlt sie ihren Kindern dieses teure Gebet zum Lobpreis, zur Danksagung und für die Bitte um die Stützung und die Gnade Jesu. Endlich, im Rosenkranzgebet erweist der Betende Gott und der Gottesmutter seine Ehre.

 

 

Der heilige Rosenkranz ist der Kirche geoffenbart

 

Insofern der Rosenkranz in seinem Grund und Wesen aus dem Gebet Jesu Christi und dem Engelsgruß zusammen gesetzt ist, nämlich aus dem Vaterunser und Ave Maria, und aus der Betrachtung de Geheimnisse Jesu und Mariä, ist dies ohne Zweifel das erste Gebet und die erste Andacht der Gläubigen.

 

In der Form und Methode aber, wie er jetzt gebetet wird, ist der heilige Rosenkranz erst im Jahre 1214 der Kirche geoffenbart und von der allerseligsten Jungfrau dem heiligen Dominikus zur Bekehrung der häretischen Albigenser und der Sünder gegeben worden, und zwar auf die Art und Weise, wie ich erzählen werde nach dem Berichte des seligen Alanus de Rupe in seinem berühmten Buch: De dignitate psalterii. („Von der Würde des Psalters Mariä.“).

 

Als der heilige Dominikus sah, daß die Verbrechen der Menschen der Bekehrung der Albigenser ein Hindernis setzten, ging er in einen nahen Wald bei Toulouse und verbrachte dort drei Tage und drei Nächte in fortwährender Gebets- und Bußübung; er hörte nicht auf, zu seufzen und zu weinen und seinen Körper durch Geißelstreiche zu kasteien, um den Zorn Gottes zu beschwichtigen, bis er schließlich halbtot umfiel.

 

Da erschien ihm die Allerseligste Jungfrau in Begleitung dreier Himmelsfürstinnen und sagte zu ihm: „Weißt du, mein lieber Dominikus, welcher Waffe die heiligste Dreifaltigkeit sich bedient hat, um das Heil der Welt wiederherzustellen?“

„O meine Herrin!“ antwortete er, „Du weißt es besser als ich, denn nach Deinem Sohne Jesus Christus bist Du das vorzüglichste Werkzeug unseres Heiles gewesen.“

Sie fügte bei: „Wisse, daß die hauptsächlichste Waffe der Psalter des Rosenkranzes war, welcher das Fundament des neuen Testamentes ist. Wenn du deshalb jene verstockten Herzen für Gott gewinnen willst, so predige meinen Rosenkranz.“

 

Der Heilige erhob sich ganz getröstet, und ganz von Eifer für das Heil dieser Völker entflammt, trat er in die Kathedrale ein. Sofort läuteten die Glocken, von Engelshand gezogen, um die Einwohner zu versammeln. Bei Beginn der Predigt erhob sich ein schreckliches Gewitter; die Erde erzitterte, die Sonne verfinsterte sich; der unaufhörliche Donner und die gewaltigen Blitzschläge bewirkten, daß alle Zuhörer erbleichten und zitterten. Ihr Schrecken steigerte sich noch, als sie sahen, wie ein Marienbild, das vor aller Augen ausgestellt war, dreimal die Arme gen Himmel erhob, um die Rache Gottes über sie herab zu rufen, falls sie sich nicht bekehren und unter den Schutz der Gottesmutter flüchten wollten. Der Himmel wollte durch dieses Wunder die neue Andacht des heiligen Rosenkranzes vermehren und verbreiten. Das Gewitter hörte endlich durch die Fürbitte des heiligen Dominikus auf. Er fuhr in seiner Rede weiter und erklärte mit solchem Eifer und solcher Kraft die Vortrefflichkeit des heiligen Rosenkranzes, daß fast alle Bewohner der Stadt ihn annahmen und ihren Irrtümern widersagten. Nach kurzer Zeit nahm man eine große Veränderung in den Sitten und im Leben der Stadt wahr. –

aus: Ludwig Maria Grignion von Montfort, Der heilige Rosenkranz, das wunderbare Geheimnis der Bekehrung des Heiles, Gesammelte Werke 3. Band, 1929, S. 15 – S. 16

 

 

 

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