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♦Mai – Marien Monat

Marienlob im Mai

In den meisten katholischen Kirchen finden wir ihn nun wieder: den „Maialtar“, also einen besonders schönen Blumen- und Kerzenschmuck für die Marienstatue. Während im Oktober der Rosenkranz im Mittelpunkt steht, ehren wir im Mai besonders Maria als Gottesmutter.

Mittlerweile gibt es sogar schon ökumenische Maiandachten, denn „Maria ist nicht nur katholisch, sie ist auch evangelisch. Protestanten vergessen das leicht.“ (Evangelischer Erwachsenenkatechismus,

S.392) Im theologischen Dialog sind beim Thema schon erfreuliche Fortschritte erzielt worden, doch in den Köpfen vieler evangelischer Christen ist immer noch eine deutliche Abwehrhaltung vorhanden. In einer aktuellen Diskussion in einem Internetforum werfen Protestanten den Katholiken vor, Maria zu Gott zu machen; man betreibe katholischerseits „Götzendienst“, denn nur Jesus Christus sei der Weg zum Heil.

Daher der Eindeutigkeit halber für evangelische Leser: Wir Katholiken wissen, dass wir uns im Gebet direkt an

Gott wenden können. So geschieht es auch in der Regel, z.B. in jeder Heiligen Messe, im Vaterunser

usw.

Wir wissen aber auch, dass wir -wie in unserem alltäglichen Leben auch so oft- Hilfe in Anspruch nehmen

dürfen, auch die von Maria. Dabei ist Maria nie eine Konkurrenz für Gott. Ihn allein beten wir an. Der Mond

ist auch keine Konkurrenz für die Sonne - so wie der Mond „leuchtet“ Maria nicht aus eigener Kraft, sondern sie empfängt ihr „Licht“ direkt von Gott.

 

Allen Aussagen über Maria liegt der Kerngedanke zu Grunde: Gott handelt konkret in der Weltgeschichte, er ist kein Theoretiker. Die Menschen sind von ihm eingeladen und berufen, im Rahmen ihrer Kräfte und Möglichkeiten

an seinem Heilswerk mitzuwirken.

 

Wirkliche Marienverehrung ist nicht kurzfristiger Überschwang der Gefühle, sondern zeigt sich im weiteren Verlauf des Lebens des betreffen-den Christen.

So ist es z.B. sehr aufschlussreich, dass nirgendwo so viel gebeichtet wird und ehrliche Lebensumkehr geschieht wie gerade in Marien-Wallfahrtsorten.

 

Es kommt darauf an, sich an Maria auszurichten, an ihr zu orientieren auf dem Weg zu Gott. Maria, die Mutter,

ist besorgt um uns. Sie sieht die schlimme Lage der Welt, die Gott ferne und die zunehmende Menschenverachtung.

Wenn wir Maria im Gebet um Hilfe für uns und alle bitten, dann heißt das:

wir wollen ihr gestatten, dass sie uns an der Hand nimmt und zu Gott führt. Was wir dafür brauchen, ist nicht

viel: Vertrauen, wirkliches Vertrauen!

 

Was sie bei der Hochzeit zu Kana den Dienern bei den leeren Weinfässern sagte, gilt auch für uns: „Was er euch sagt, das tut!“ – Die Szene zeigt: Maria nimmt unsere Notsituationen ganz feinfühlig wahr und handelt, indem sie ihren Sohn um Hilfe bittet. Heute würde man dazu sagen: Maria arbeitet lösungsorientiert!

 

Maria erlebt aber nicht nur Schönes, sondern auch die Abgründe des menschlichen Tuns, zum Beispiel den Leidensweg und die Kreuzigung ihres Sohnes. Gott ist durch die Ankündigung des Engels geradezu in ihr

Leben hineingeplatzt, plötzlich und unvorbereitet. Unerwartete Situationen gibt es in jedem Menschenleben mehr

als genug. Maria ist entschlussfreudig, zaudert nicht, sagt nicht: vielleicht, mal sehen…! Sie lässt ihre Lebenspläne durchkreuzen, auch wenn die Leute wer weiß was erzählen…

 

Maria gibt sich ganz in Gottes Hand. Sie fragt kurz nach: „Wie soll das geschehen?“ Dann sagt sie JA zu ihrer Berufung, egal, was kommen mag, egal, was Gott sich da ausgedacht hat. Ihr JA ist bedingungslos, ohne Hintertürchen, ohne doppelten Boden: „Ich bin die Magd des Herrn.

Mir geschehe nach deinem Wort.“ (Lk 1,38) - So ist Maria unser mutiges Vorbild: Sag JA zu Gottes Ruf, sei mutig! Wenn Gott dir etwas zutraut, schenke du ihm auch dein Vertrauen!

 

Haben wir noch nie jemand in Schutz genommen? Ganz sicher haben wir unser Kind gegen Angriffe verteidigt, ganz sicher haben wir ein Familienmitglied gegen einen unberechtigten Vorwurf in Schutz genommen!

Selbst haben wir das sicher auch schon erlebt, dass uns jemand in der Not zur Seite gestanden hat, als wir in

der Klemme waren.

Das machen sogar die primitivsten Menschen. Man lässt ein Mitglied der Sippe nicht im Stich. Aber Maria

soll seelenruhig zusehen, wie die Menschheit im Sumpf versinkt, ohne dass sie ihren Sohn darauf anspricht und

uns schützen will? Eine seltsame Vorstellung von einer liebenden Mutter…!

 

Gott hatte offenbar da mehr Vertrauen in Maria als so mancher Christ heute. Maria ist Jesu Mutter, weil Gott es so wollte, weil er gerade sie ausgesucht und gefragt hat. Gott hat sich für sie entschieden. Die Initative ging nicht von ihr aus, sondern von Gott. Wenn wir Maria verehren, loben wir Gott wegen seines liebenden Beschlusses zum Heil aller Menschen. Das wusste auch schon Maria in ihrer Zeit auf Erden.

„Denn siehe, von nun an werden mich preisen selig alle Geschlechter“ (Lk 1,48), jubelt Maria über das große Erbarmen des Herrn. Maria selig preisen – das dürfen wir also nicht nur, sondern das ist eine Feststellung Mariens. Ja, so ist es, selig preisen werden sie alle Geschlechter! Und wir sind mittendrin dabei!

 

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